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Lisa Eckhart: Die Vorteile des Lasters

Lisa Eckhart: Die Vorteile des Lasters Theater National Tickets
Theater National, Bern, ch
Lisa Eckhart hat nicht nur eine eigene Wahrheit, sondern auch ihr eigenes Genre zwischen Kabarett, Moritat und Poesie geschaffen! Es war nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Denn alles, was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspass. Die Hölle zählte Leistungsgruppen, Ablässe waren das perfekte Last-Minute Geschenk und lasterhaft zu sein noch Kunst. Doch dann starb Gott ganz unerwartet an chronischer Langeweile. Und bei der Testamentsverlesung hiess es, wir wären alle von der Ursünde enterbt. Fortan war kein Mensch mehr schlecht, jedes Laster nunmehr straffrei und die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So fand der Spass ein jähes Ende. Heute ziehen Eisfirmen, Elektronikgeschäfte und jedes zweite Schlagerlied die sieben Sünden in den Dreck, indem man sie zur heiligen Tugend erklärt. Gott befahl uns zu entsagen, Coca Cola zu geniessen. Man hat uns alles erlaubt und somit alles genommen. Polyamorie versaute die Unzucht. All-You-Can-Eat-Büffets vergällten die Völlerei. Facebook beschämte die Eitelkeit. Ego-Shooter liquidierten den Jähzorn. Wellnesshotels verweichlichten die Trägheit. Sie alle haben's schlecht gemeint. Doch schlecht gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von schlecht. Und kein...

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Lisa Eckhart hat nicht nur eine eigene Wahrheit, sondern auch ihr eigenes Genre zwischen Kabarett, Moritat und Poesie geschaffen! Es war nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Denn alles, was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspass. Die Hölle zählte Leistungsgruppen, Ablässe waren das perfekte Last-Minute Geschenk und lasterhaft zu sein noch Kunst. Doch dann starb Gott ganz unerwartet an chronischer Langeweile. Und bei der Testamentsverlesung hiess es, wir wären alle von der Ursünde enterbt. Fortan war kein Mensch mehr schlecht, jedes Laster nunmehr straffrei und die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So fand der Spass ein jähes Ende. Heute ziehen Eisfirmen, Elektronikgeschäfte und jedes zweite Schlagerlied die sieben Sünden in den Dreck, indem man sie zur heiligen Tugend erklärt. Gott befahl uns zu entsagen, Coca Cola zu geniessen. Man hat uns alles erlaubt und somit alles genommen. Polyamorie versaute die Unzucht. All-You-Can-Eat-Büffets vergällten die Völlerei. Facebook beschämte die Eitelkeit. Ego-Shooter liquidierten den Jähzorn. Wellnesshotels verweichlichten die Trägheit. Sie alle haben's schlecht gemeint. Doch schlecht gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von schlecht. Und kein Zweck heiligt das Mittelmass. Darum gilt es, die Sünden neu zu erfinden. • Wie widersetzt man sich der Spassgesellschaft, ohne den eigenen Spass einzubüssen? • Wie empört man seine Umwelt, ohne als Künstler verleumdet zu werden? • Wie verweigert man sich dem Konsumerismus, ohne auf irgendetwas zu verzichten? • Wie verachtet man die Unterhaltungsindustrie, ohne Adorno schmeichelnd ans Gemächt zu fassen? • Wie wird man zum Ketzer einer säkularisierten Welt? • Seien Sie neidisch auf andere, doch anstatt ihnen nachzueifern, ziehen Sie sie auf Ihr Niveau. • Seien Sie träge und zeigen Sie Ihrem Partner, wer in der Beziehung die Windeln anhat. • Seien Sie jähzornig und beschimpfen Sie Werner Herzog. • Seien Sie wollüstig und beschränken Sie sich nicht auf die zwei, drei Abgründe Ihres Körpers. • Seien Sie eitel und entreissen Sie Ihre Schönheit dem trüben Auge des Betrachters. • Seien Sie geizig und teilen Sie nicht länger brüderlich wie Kain den Schädel seines Bruders. • Seien Sie masslos in allem, nur niemals der Mittelmässigkeit.

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Vorverkauf

Infos

Ort:

Theater National, Hirschengraben 24, Bern, ch

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